BUND Rhein-Lahn zum Planfeststellungsverfahren Radfernweg Lahntal zwischen Laurenburg und der Schleuse Scheidt
Der BUND tritt seit Jahren für
eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus in Deutschland ein. Besonders für
den ländlichen Raum in den Mittelgebirgslagen mit rückläufiger
Landwirtschaft ist er eine Zukunftsperspektive für die weitere Entwicklung.
Touristische Radwege, die von dem umwelt-freundlichen Verkehrsmittel Bahn erschlossen
werden, haben darin einen hohen Stellenwert. Der Radfernweg Lahntal ist ein
solch attraktives Element in einem Netz touristischer Radwege. Nach-haltige
Entwicklung bedeutet aber auch, dass die Projekte und Maßnahmen, die ihr
dienen sollen, die natürlichen Voraussetzungen der betroffenen Landschaften
und Regionen respektieren und nicht überprägen.
Der BUND begrüßt einen zügigen Lückenschluss für den Abschnitt Laurenburg - Schleuse Scheidt, der touristischen, ökologischen und wirtschaftlichen Belangen gerecht wird. Die Untersuchungen haben einige Möglichkeiten aufgezeigt, die in ein touristisches Konzept eingebunden werden können und teilweise schnell und kostengünstig zu realisieren sind.
Der BUND lehnt jedoch den Bau des Radfernweges Lahntal durch das Naturschutzgebiet (NSG) Gabelstein - Hölloch ab. Der Rhein-Lahn-Kreis war bereits in den 1990er-Jahren mit einem Bauantrag an der Verordnung des NSG gescheitert. Inzwischen sind die Hürden durch das von der EU und der Bundesrepublik Deutschland mitgetragene 'Übereinkommen zum Erhalt der Biologischen Vielfalt' und dem daraus resultierenden Netz der Natura 2000 Gebiete auf der Grundlage der FFH- und der Vogelschutzrichtlinie noch höher geworden. Sämtliche Gutachten und Untersuchungen, die im Rahmen des Projektes seit dieser Zeit erstellt und durchgeführt wurden, heben die Sensibilität gerade des Talraumes und der Lahnhänge im Bereich zwischen der Fischerhütte Laurenburg und der Schleuse Scheidt hervor. Seltene Fledermausarten sind hier wie Wanderfalke, Eisvogel, Haselhuhn und Wildkatze zu finden. Die vier (von dreizehn untersuchten) durch das Tal führenden Varianten wurden als die aus ökologischer Sicht bedenklichsten bewertet. Durch die beiden vorgesehenen Brücken handelt es sich zudem um eine der teuersten Lösungen.
Die Kreisgruppe des BUND hat sich zusammen mit lokalen Akteuren von andern Naturschutzver-bänden intensiv mit den vorgelegten Planfeststellungsunterlagen auseinander gesetzt. Nach Auf-fassung des BUND verstößt die Planung gegen geltendes Naturschutzrecht sowie die aktuelle Rechtsprechung und ist daher auch nicht genehmigungsfähig. Warum eine Befreiung für die Führung des Weges durch das NSG erteilt werden soll, ist nicht nachvollziehbar. Nach wie vor führt er durch das Gebiet und nicht an seinem Rande entlang. Es gibt mehrere akzeptable Alternativen, die nicht durch das NSG führen.
Mit den weniger bedenklichen Wegeführungen
wurde sich in den Planunterlagen nicht ausreichend auseinander gesetzt. Eine
Kombinationslösung, Ausweisung eines Wegs über die Höhe und Einsatz
einer Radfähre zwischen der Schleuse Scheidt und Laurenburg, wurde genauso
nicht betrachtet, wie der mögliche Bau eines Radwegtunnels von der Schleuse
Scheidt nach Laurenburg (470 m). Geplant ist, den Verbindungsweg von Geilenau
über die Grillhütte nach Scheidt zu teeren. Den Radweg hierüber
zu führen wäre wohl das finanziell sinnvollste und ökologisch
Beste, zumal diese Wegeführung einer der Radwegevarianten entspricht.
Lösungen, die mit Fantasie und attraktiven Angeboten den Besuchern der
Region die Landschaft nahebringen können, scheinen nicht gefragt zu sein.
Dabei erschließt sich die Lahn-Landschaft doch erst mit einem Blick über
die Hochflächen. Der Radfernweg Lahntal ist ein touristisches Pro-jekt
und keine Rad-Autobahn, auf der möglichst viele möglichst schnell
und weit vorankommen sol-len. Ziel ist es die Wertschöpfung in der Region
zu steigern. Dazu gehört, die Gäste zum Verweilen zu animieren.
Der BUND hat schon mehrmals durch Aktionen gezeigt, dass auch Familien mit Kindern
den Weg über die Höhe bewältigen können, und das auf nicht
ausgebauten Schotterpisten. Nach einem Ausbau mit touristischen Angeboten, Informationen
über die Region, Rast- und Ruheplätzen sollte dies noch besser möglich
sein. Die Lahn ist ein kleiner Fluß, der zwischen Diez und Lahntstein
zwei Mittelgebirge trennt. Und zu Mittelgebirgslandschaften gehören auch
einmal Steigungs- und Gefällestrecken.
Bereits heute hat der Radweg insbesondere im Bereich Obernhof-Nassau deutlich
stärkere Steigungs- und Gefällstrecken auf als sie im Bereich Geilnau-Laurenburg
notwendig wären.